21.04.2017

Zulange habe ich nicht mehr geschrieben.

Ich habe inzwischen eine eigene Wohnung auf dem KIrchweg bezogen. Zuvor war ich 4 Wochen in Bottrop bei Wolfgangs Mutter unterm Dach.

Die Krankenhauszeit liegt hinter mir und ich ich habe eine Therapie bei Frau Bruderek begonnen.

Nächste Woche fange ich wieder stundenweise an zu arbeiten.

Warum ich auf einmal wieder Schreibe? - Weil es mir wieder schlecht geht - natürlich. 

Ich wollte diese Woche meine Sachen aus der Ackestraße holen. Ruth ist für eine Woche in Frankfurt bei Beate und Mark. Die Großen sind alleine zu Hause, + Vanessa und Hund.

Beim Packen sind mir Rutht's alte Briefe und Karten wieder in die Hände gefallen. Und ich habe mich an unsere intensive Zeit unserer Beziehung erinnert und mich gefragt, wann das verloren gegangen ist.

Schlimmer kam es dann, als ich auf ihrem Schreibtisch Notizzettel ihrer Gedanken habe.

"Sie hat Schuld auf sich geladen" "Sie gerät immer an die gleichen Typen" "Fühlt sich unattraktiv und unsportlich" "Fühlt ihr Verlangen nach Sex ausgenutzt" "hat Sehnsucht nach Sex" "Hasst ihr Helfersyndrom" "Fragt sich, ob sie frigide ist".

Danach ging gar nichts mehr.

Hat sie mich "betrogen"? Sie sucht außerhalb unserer Beziehung die Erfüllung ihrer Sehnsüchte. Und das schon seit längerem?

Sie hat die selben Träume und Sehnsüchte wie ich - und wir leben seit Jahren aneinander vorbei.

Wir hätten sie uns gegenseitig erfüllen können. 

Ich habe 2 Tage und Nächte geheult über die die verlorene Zeit.

Mein "Haken" unter unserer Beziehung, für den wochenlang in der Klinik und mit Geprächen mit Ruth erarbeitet habe ist auf einmal weg und die Trauer und die Sehnsucht haben mich wieder voll im Griff.

Ich konnte nicht mehr weiter packen und habe alles stehen gelassen.

Kerstin hat mir dann beim Abtransport der bereits gepackten Sachen geholfen.

Seit dem Tag schaffe ich es kaum noch das Haus zu betreten.

Und ich habe jetzt für nächste Woche meine Wiedereingliederung auf der Arbeit beantragt. Ich weiß nicht, ob ich das schaffe.

 

Ich konnte jedoch nicht anders, als Ruth einen Teil meines Innersten per Whatsapp nach Frankfurt zu schicken:

 

Hallo Ruth,

ich weiß nicht ob richtig ist dir jetzt zu schreiben, doch meine Seele brennt und in meinem Tagebuch verklingen diese Gedanken nur. 

Beim Packen meiner Sachen sind mir deine Briefe und Karten aus unseren ersten 15 bis 20 gemeinsamen Jahren wieder in die Hände gefallen. Während des Lesens habe ich mich gefragt, wann und warum für uns die Achtsamkeit, die Sehnsucht, die Gefühle, die Offenheit, die Gespräche, das Vertrauen, die Verbundenheit, die Warmherzigkeit, das Mitgefühl, die Freude aneinander, - die Liebe von damals untergegangen sind.

Ich frage mich, wie wir uns in unserer Partnerschaft, unserer Beziehung entwickelt hätten ohne Krebs, ohne Leukämie, ohne Neurodermitis, ohne Fehlgeburt und mit mehr Raum für uns??

Ich weiß, dass ich an all dem nichts ändern oder zurück drehen kann, sondern nur das annehmen kann, was ist. 

Dennoch schaffe ich es kaum mit der Trauer und dem Schmerz über die letzten Jahre klar zu kommen, in denen wir mit den selben Hoffnungen und Sehnsüchten miteinander gelebt haben, ohne sie beim anderen wahrzunehmen oder darüber zu reden.

 

Ich möchte meine Verantwortung für all das übernehmen und dich von Herzen um Vergebung bitten für all die Momente, Situationen und Handlungen, in denen ich dir in Unliebe und Unachtsamkeit begegnet bin, für alle Verurteilungen und Missachtungen, für all meine Sprach- und Gedankenlosigkeit, für allen Groll, alle Verletzungen und Lieblosigkeiten, für all die Zeit, in der ich nicht für dich da war. 

 

Du bist ein Teil von mir, ein Teil meines Lebens. Du wirst immer zu meinem Leben gehören. 

Ein Teil von dem, was und wer ich bin, bin ich durch dich. 

Egal wohin uns unsere Wege führen, wird das nicht ändern und dafür bin ich dir dankbar. Du füllst einen großen Platz in meinem silbernen Herzen, -für immer.

Guido

 

Die "gefundenen" Dinge habe ich nur indirekt angesprochen.

 

Und danke für alles , was du mir geschrieben hast. Es hat mich sehr berührt und bewegt. Ich möchte dir in Ruhe darauf antworten können, gibt mir bitte ein wenig Zeit!

...war Ihre Antwort.

 

Ich bin gespannt auf ihre Antwort. Ich habe keine Ahnung was mich erwartet. Und ich habe Angst davor.

Angst davor nun wirklich von ihr betrogen, getäuscht, ausgenutzt, fallen gelassen, rausgeschmissen, nur ertragen worden zu sein.