17.01.2017

10.00 Uhr

Gestern war irgenwie Kacke. Ich kam gestern Abend nicht zur Ruhe um auf den Tag und mich zurück zu sehen. Diese Querbeat-Ralf Geschichte kreist immer wieder in meinem Kopf. Zumal gestern Übstunde war.

Ich möchte gerne liebevolle Gedanken haben und mich nicht einmischen. Ich kann ja noch nicht einmal meine Gefühle und Gedanken auf Wahrheit prüfen. Unsicherheit, Ungewissheit, Verletztheit, all das "wiegt schwer" und ich kam gestern nicht davon los.

Am Nachmittag, beim Walking-Spaziergang hatte ich noch liebende, freie Gedanken dazu und habe mir vorgenommen die irgendwann, irgendwie in Worte zu fassen und in einem Brief an Ruth zu sammeln.

Soviel zur Theorie und Praxis mit dem Fühlen, Denken, der Verantwortung, dem Loslassen....

Am Vormittag schon in der Entspannung (heute progressive Muskel Entspannung) habe ich versucht auch nach innen zu hören und den Rahmen genutzt, da es für mich hier und jetzt kaum anderen Raum und Möglichkeit dafür gibt.

Das mit der Entspannung hat weniger geklappt. Das nach innen hören erstaunlicher Weise schon ein wenig. Nur was ich gesehen habe hat mir nicht gefallen. Eine runde, hohe Mauer um mich herum. Egal wohin ich mich gedreht habe. Licht von oben hat mich auch nicht mehr erreicht. Zuerst kam es mir vor wie ein Brunnen und in mir die Frage, was passiert wohl wenn ich einzelne Steine aus dem Mauerring nehme? Doch dann habe ich ein, vielleicht auch zwei Löcher in der Wand um mich herum entdeckt. Durch sie viel schwaches Licht hinein. Es ist also kein Brunnen. 

Ich will an jedem einzelnen Stein klopfen bis er hinaus fällt und die Wand irgendwann zusammenfällt, kleiner wird.

Gestern kam ein Stück neue Sichtweise auf und in mich dazu. Das mit dem Klopfen hat aber nicht funktioniert.

Ich wollte, will wohl zuviel auf einmal. Ich habe auch in dem Buch weiter gelesen. Es geht dem Ende zu und das "durcharbeiten" fällt schwer, da in fast jedem Satz wichtige und wesentliche Punkte für mein Leben zusammengefasst sind.

Ich werde mir mehr Zeit nehmen müssen dafür.

 

21.30 Uhr

Um 14.00 Uhr hatte ich das Arztzgespräch mit Frau Altenvoerde, die Ärztin, die mich auch aufgenommen hat. Zuerst habe ich meine Blutwerte abgefragt. Bis auf einen niedrigen HB und Nieren Werte (ich muss mehr trinken) war alles in Ordnung. ebenso das EKG, bis auf den bekannten unkritischen Fehler an der rechten Herzklappe, der nicht selten ist.

Dann habe ich meinen Aufnahmetermin in Krefeld angesprochen. Eine Verlegung geht aus Kassengründen nicht, da das andere Haus die gleiche Fachrichtung hat. Also werde ich, wie vermutet, vor dem Wochenende entlassen. Ich sollte dies dennoch nochmal mit der Therapeutin besprechen. Die Folge AU sollte ich beim Pflegepersonal verlangen. Hatte ich zwar am Wochenende schon getan, der Pfleger sagte ich solle zur Ärztin. Was soll's. Nun habe ich sie. Sie ist jetzt natürlich nur bis Freitag ausgestellt. 

Christian habe ich heute per Mail über meine Erkrankung informiert und auch über den weiteren Plan, mich noch in Krefeld behandeln zu lassen. Offene Karten sind, glaube ich das beste.

Ruth habe schriftlich über das Arztgespräch informiert. Daraufhin hat sie sofort zurückgerufen. Es war ein spontanes und gutes Gespräch. Über das Familienkaffee am Wochenende, das Wetter, die Situation, das ich vor dem Wochenende entlassen werde und wie ich / wir das organisieren könnten. Ich habe vorgeschlagen, dass sie mir das kleine Auto herbringen könnten.

Mit Tim oder Vanessa oder wer anders, wie sie es am besten regeln kann. Aber dann wäre ich unabhängig und müsste keinen durch die Gegend scheuchen um mich zu fahren. Sie hielt das für einen guten Plan.

Sie wollte mir morgen ein paar Sachen bringen. Ich fragte wann, denn Kerstin und Mutter haben sich für 16.30 Uhr angemeldet. Der Besuch dauert bestimmt nicht lange. Kerstin hält das nicht durch und ich werde sie dann auch nach Hause schicken, wenn mir das zu viel wird.

Ruth sagte, sie wolle dann gegen 19.00 Uhr kommen. Ich freue mich darauf und doch habe ich auch tiefe Angst. Jetzt, wo ich darüber schreibe, merke ich es wieder deutlich in der Magengegend. Und es ist nicht die Freude. Mein Verstand schiebt mir schon den ganzen Tag wieder Misstrauen und Zweifel dazwischen. Die will ich aber nicht mehr denken. Es widerstrebt mir. ich will das Liebevolle Gefühl dort haben. Das aus der Silvesternacht.

Die Pillen hier sind gut. Mein Verstand arbeitet wieder "vernünftig". Jetzt ist es aber nicht mehr so einfach das "richtige" zu denken. Liebevoll zu denken, Vertrauensvoll zu denken, Angstlos zu denken, Schmerzlos zu denken. Tief zu fühlen und neue Gedanken zu denken. Das fiel mir in der ersten Woche noch leicht, hat mich aber derzeit mächtig irritiert.

Heute habe ich das Buch ausgelesen. Zu den letzten Kapiteln habe ich mir noch keine Notizen gemacht. Es waren sehr komprimierte Kapitel. Ich werde sie jetzt nach und nach noch mal durchgehen und meine Baustellen Karte vervollständigen. Dabei verfestigen sich hoffentlich auch die Grundgedanken des Buches und meine Grund-Denken auch.

Ich werde mir die Meditationsreihen von Robert Betz ansehen und auch einige bestimmt zulegen. Seine Betrachtung des menschlichen WESENS kommt mir sehr nahe. Ich habe mich und meine Sichtweisen zu Mensch, Seele, Geist, Schöpfer und Gott "wieder"gefunden durch seine Auslegungen, Interpretationen und Zusammenhangserläuterungen.

Ich bin gespannt auf eine seiner CD's.

Was mir hier fehlt, ist auf jeden Fall Stille, Ruhe, Rückzugs Möglichkeit.

Raum und Möglichkeit hier in sich zu gehen hat man leider nicht. Dabei bin ich darauf gespannt, was ich dort vorfinde.

 

Wir haben heute Abend zusammen Pizza gebacken auf der Station. War interessant, wie fast 20 Erwachsene 6 Bleche Pizza fertigstellen, mit Hefeteig selber machen ausrollen, belegen.... und das in einer kleinen Küche für zwei Stationen. War lecker und hat Spaß gemacht. Mal was anderes im Krankenhaus Alltag.

 

Petrus hat sich heute auf die schnelle selber entlassen. Frühstück musste ich alleine machen. War auch das letzte Mal, ab heute sind andere dran. Dafür ist auch schon ein neuer Patient auf meinem Zimmer. Dirk. Informatiker an der Rhein Waal Uni.