15.01.2017

Die Nacht ging so. Andreas (der Schweizer Schnarcher aus Moers) ist nicht ausgezogen und hat versucht mit der Apnoe Maske zu schlafen. Hat wohl auch der ersten Teil der nach funktioniert. Wenn ich mir Entspannung in die Ohren stecke, höre ich die Apparate nicht. Ich war gerade weg gedöst, da hat er das teil abgenommen und wieder geschnarcht. Vorbei mit schlafen. Ich bin darauf zur Nachtwache gegangen. Die war ziemlich schroff und hat ihn grob geweckt und genötigt, die Maske wie anzulegen. Mich hat sie dann noch angefahren, ich sollte dann auch die Ohropax benutzen. Sie ist eine der weniger freundlichen Pflegekräfte hier. Alle anderen, die ich bisher kennen lernen durfte sind super nett und bemüht.

Heute war Bummel-Frühstück. Die Letzten kamen un 09.30. 

Danach bin ich eine eine Runde durch den leicht verschneiten Stadtpark gegangen. Sonnenschein, sanfte Schneedecke, gedämpfte Geräusche, Gänse Rufe. Es war schön. Alle Menschen, die mir begegnet sind haben freundlich gegrüßt. Ich kannte keinen. Das Buch kommt mir immer wieder in den Sinn. Meine Gedanken, meine Einstellung, mein momentanes Lebensgefühl strahlt wohl tatsächlich Energie aus. In diesem Falle positive, freundliche, zugewandte - und die Menschen, denen ich begegne spiegeln es mit einem freundlichen Blick und einem "Guten Morgen". Ich muss immer wieder schmunzeln. Das mir so etwas passiert!? Das es sogar bei mir funktioniert!? Ich hätte nicht gedacht, so schnell bestätigende Erfahrungen zu machen. 

Dennoch schiebt sich auch gleich wieder ein ABER dazwischen.

Aber wie geht das, wenn ich wieder zu Hause bin? Wie kann das im Familien Alltag funktionieren? Wie auf der Arbeit?

Hier und jetzt fällt es mir leicht mich darauf zu konzentrieren und bewusst zu denken, Gefühle und Reaktionen aufzunehmen. Ich habe hier ja auch "keine anderen Sorgen", sprich, brauche mich mit nichts anderem zu beschäftigen und auseinanderzusetzen.

Es wird ein langer, ich will nicht sagen "schwerer" Weg. Vielleicht werde ich auch eines Besseren belehrt, und vieles geht durch meine hoffentlich beständig geänderte Grundhaltung um einiges leichter "von der Hand".

Der Brocken wird es sein mir meine "Baustellen" alle genau anzusehen. Die Liste ist lang. Und da sind ein paar Kaller dabei.

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Ich bin ja auch noch nicht ganz durch mit dem Buch und einiges kann ich auch erst außerhalb des Krankenhauses umsetzen, einüben und auch ritualisieren. Ich werde es bestimmt noch einmal lesen. (in Auszügen ;) )

Ruth hat mir Aufnahmen von Lenjas Duo Vorspiel heute geschickt. Die Beiden machen das inzwischen ganz toll. hörte sich gut an.

Ich hatte ihr von B&W Angebot geschrieben, dass ich bei ihnen unterkommen kann, sollte das mit der Verlegung hier keine Punktlandung werden. Das Thema werde ich morgen in der obligatorischen Montag Morgen Runde angehen und mir einen Termin bei der Stationsärztin geben lassen. Einen neuen Krankenschein benötige ich auch. Ich bin gespannt auf das Gespräch.

Am Vormittag habe ich mit Ruth telefoniert. Ich wollte das Telefonat eigentlich noch ein wenig schieben, nachdem die letzten Gespräche mir Unsicherheit gezeigt, gebracht haben. Sie hat sich dann doch kurzfristig gemeldet. 

Wider erwartend war es ein angenehmes, achtsames Gespräch, ich denke für beide Seiten. Neben den alltäglichen Themen (Zählerstände, Ihre Dienste, Aufgaben der Großen, Sippentreffen Oma Sigrid, Schnee schieben...) natürlich auch das nächste Wochenende und das Angebot von Birgitt und Wolfgang. Ich habe sie nach ihrer Meinung gefragt, was sie davon hält. Ich musste aber mehrmals nachfragen, da sie immer wieder mit Einschätzungen für andere (Lenja, die Großen, für mich) argumentierte. es hat gedauert, bis sie Ihre Zustimmende Erklärung abgab.

Ich hatte keine Pausen, keinen trockenen Mund, keine Stimmeinbrüche. Ich habe mich mit diesem Gespräch wohlgefühlt.

- Ich möchte jetzt nicht darüber nachdenken, wie es läuft, wenn andere Themen wie Sonntag auf den Tisch kommen. Aber ich habe ja noch Zeit DAFÜR etwas zu tun, hier und in Krefeld. 

Am Nachmittag haben wir mit dem Pflegepersonal Waffeln gebacken. Es war nett in kleiner runde zusammen etwas zu machen und zu quatschen.

Vor dem Abendessen ist Claus noch vorbeigekommen. Er hat von der Konfifreizeit mit 30cm Neuschnee berichtet, von Regina die mit Luca zusammen konfirmiert wurde und 7 Monate stationär wegen Magersucht behandelt wurde. Ohne Erfolg. Das sie, ein von Ehrgeiz zerfressenes Mädchen ist und nicht lacht. Daneben Pia, die von sich selber sagt, sie sei ein Fress Monster.

Beide fast gleich alt und mit gleichen Voraussetzungen zur Welt gekommen. Was wurde aus ihnen gemacht? Gedanken gesät, Gefühle unterdrückt. Wie bei jedem von uns. Jeder auf eine andere Weise. 

Die Presbyteriums Sitzung muss auch nicht der Kracher gewesen sein. Birgit ist wohl der Kragen geplatzt und hat sich über das Selbstverständnis der Arbeit einzelner muckiert. Keine gute Gesamtstimmung zur Zeit. Die Tage werden kälter.

Ich nehme das zu Kenntnis, bin aber erstmal raus.

Schon wieder 22.30. Ich geh zum Kühlschrank und dann ins Bett.